FÜRTH Land (sd) - Steter Tropfen höhlt den Stein: Diese Erkenntnis zieht die Interessengemeinschaft Bibertbahn und der Fahrgastverband pro Bahn aus einer Entwicklung, die sich im Nachbarlandkreis Ansbach für einen Bahnhalt bei Leutershausen abzeichnet. Sie beweise, dass «Bahnreaktivierungen auch in Bayern möglich sind, ergo auch für den Landkreis Fürth, explizit die Bibertbahn denkbar sind», wie Jörg Schäfer, Sprecher des Fahrgastverbandes «Pro Bahn» Mittelfranken unterstreicht.
Voraussichtlich im Dezember 2010 können am Haltepunkt Leutershausen-Wiedersbach wieder Fahrgäste zusteigen. Dabei handelt es sich laut Schäfer um einen Halt, «von dem es bis vor zwei Jahren geheißen hat, dass eine Wiederbelebung undenkbar ist». In Anspielung auf das in der Fränkischen Landeszeitung zitierte Statement des Ansbacher Landrats Rudolf Schwemmbauer, dass diese Entwicklung zeige, was «ständiges Bohren, Drängen und Fordern» ausrichten könne, meint Schäfer unisono mit Sven Becker von der Interessengemeinschaft Bibertbahn (IGBB), «so würden wir uns das von Fürther Landkreis-Politikern auch einmal wünschen; offensichtlich zahlt sich stetes Dranbleiben aus».
Stattdessen würden vor Ort Zeit und Geld sinnlos für Planungen vertan, so Schäfer. Dabei würde sich die Wiederbelebung der stillgelegten Trasse in vielerlei Hinsicht auszahlen - egal ob es die Kosten für Bau oder Unterhalt und Betrieb betreffe. Sie bewegten sich bei der Bibertbahn bei einem Zehntel der Dimensionen, die die teure U-Bahn erfordere.
Ein Zehntel der Kosten
Wie bei dem Leutershausener Bahnhalt müssten die Kommunen bei einer Reaktivierung der Bibertbahn in den Landkreiswesten im besten Fall lediglich für Park-and-Ride-Parkplätze am Endhaltepunkt sorgen. Und den wünschen sich die Lobbyisten einer reaktivierte «Bärbel» in Leichendorf. Der schienengebundene Regionalverkehr ist grundsätzlich Sache des Freistaates, beziehungsweise von dessen Tochter, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, erklärt Schäfer. Werden stillgelegte Linien reaktiviert, sei die Kostenfrage auch Sache des Verhandlungsgeschicks, so Schäfer.
Dass allein der Unterhalt einer U-Bahn Richtung Oberasbach und Zirndorf den beiden Städten 2,8 bis 3 Millionen Euro pro Jahr kosten würde, könne man ausgehend von den Zahlen, die bereits vor Jahren für die Verlängerung der U 2 nach Stein errechnet wurden, herleiten, so Schäfer. «Das waren damals noch Mark; in etwa aufs gleiche, jedoch in Euro, dürfte es für die U 3 heute hinauslaufen». Vom Landkreis Fürth könne keiner erwarten, dass er einen Großteil seines gesamten Jahresbudgets für den öffentlichen Nahverkehr in eine U-Bahn-Linie stecke, von der allein der südliche Landkreis profitiere.
Abgesehen davon, findet der «Pro Bahn»-Sprecher aus Ansbach, seien die ÖPNV-Pläne des Landkreises Fürth nicht allein dessen Sache, sondern von überregionaler Bedeutung: «Je mehr Geld Zirndorf und Oberasbach für einen teuren Tunnel unter der Erde verschwenden, statt auf die erheblich günstigere Alternative einer bereits vorhandenen, oberirdischen Trasse zu setzen, desto weniger bleibt für die anderen in Bayern. Die zur Verfügung stehenden Mittel werden deshalb nicht mehr, sie sind gedeckelt.» |