Wer kennt das nicht? Das Auditorium starrt auf eine inhaltlich ausgereifte Powerpointpräsentation, nur leider kann sich keiner konzentrieren, weil der Dozent seinen Schäfchen den Rücken zuwendet. Die Augen auf die eigene Ausarbeitung gerichtet, erklärt der Dozent den Sachverhalt scheinbar lieber der Wand, während der eine oder andere Student überlegt, wie lange man eine Hose wohl tragen muss, bis sie so ausgebeult ist wie die des Profs.
Andere Lehrbeauftragte wiederum wären froh, könnten sie überhaupt eine Bildschirmpräsentation zum Laufen bringen, und lassen deshalb lieber jeden Schalter von ihren Hiwis betätigen. Auch im Vorbeigehen einen Blick in die Aktentasche des Professors geworfen, lässt manchmal unschwer erkennen: Da drin herrschen chaotischere Zustände als bei jedem Fünfjährigem unterm Bett. Kurzum, mit den Schlüsselqualifikationen der Dozenten ist es oft nicht weit her. Organisationstalent: ausreichend, Präsentationsfähigkeit: mangelhaft, Didaktik: sechs, setzen!
Der Anspruch an die Lehre ist gestiegen
Allerdings, was Manager und Führungskräfte schon seit langem von ihren Coaches lernen, sollen nun auch Professoren verstärkt pauken. Denn große Reputation in der Forschung allein reicht nicht mehr, um das eigene Ansehen zum Strahlen zu bringen, den Stoff zu vermitteln, das ist die Kunst. Zu diesem Sinneswandel hätten auch die Studiengebühren beigetragen, sagt Jörg Wendorff, Koordinator des Fortbildungszentrums Hochschullehre: «Seitdem Studenten in den Berufungskommissionen sitzen, ist der Anspruch an die Lehre gestiegen.» Die Eigenmotivation, sich zu verbessern, sei besonders bei den Nachwuchswissenschaftlern hoch.
An den bayerischen Fachhochschulen ist inzwischen ein einwöchiges Didaktikseminar für Neuberufene Pflicht. Professoren sollen in Rollenspielen lernen, dass auch 30 Jahre Lehrtätigkeit nicht unfehlbar machen. Auch in der Medizin müssen Dozenten vor dem Antreten der Lehrtätigkeit zwei solcher Seminare besuchen. Für die übrigen Universitätsdozenten sind sie allerdings immer noch freiwillig. Wobei es dem einen oder anderen Prof nicht schaden würde, in Methodik oder Didaktik noch mal die Schulbank zu drücken.
Eva Lindner |