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Thomas Schmidtkonz aus Forchheim ist eine Art Nussknacker. Er hilft Marathon-Läufern Zeiten zu knacken. Am Fränkische-Schweiz-Marathon sind fünf so genannte Zug- und Bremsläufer am Start. Schmidtkonz, Schwager von Fitness-Guru Ulrich Strunz, ist Orientierungshilfe für die 4:30 Stunden.
FORCHHEIM - Auf dem T-Shirt, das Thomas Schmidtkonz am Sonntag trägt, wird am Rückteil ganz groß aufgedruckt sein: «4:30 Stunden». Wer seinen Marathon in dieser Zeit absolvieren will, kann sich an Schmidtkonz halten und braucht sich nicht mit Plus-, Minus- und Wahrscheinlichkeitsrechnung beschäftigen während er sich auf Puls und Atmung konzentriert.
Sechs bis sechseinhalb Minuten dürfen die 4:30-Stunden-Läufer pro Kilometer durchschnittlich benötigen. Mit hineingerechnet werden müssen auch noch die Stopps, wenn man sich eine Banane oder einen Becher Wasser schnappt. Und dann gibt es noch minutenfressende Anstiege, die mancher Läufer gerne vergisst in seinen Zeitberechnungen, wie Schmidtkonz weiß. Der 48-Jährige baut auf seine Erfahrung. 78 Marathons liegen bereits hinter ihm (Bestzeit 3:34 Stunden), vier Ultraläufe über 100 Kilometer hat er bewältigt.
Der gelernte Informatiker gehört zu den Spaß- und Genussläufern. Lieber hat er seine Kamera dabei und fotografiert nebenbei für seine Homepage www.laufspass.com, als neue Bestzeiten aufzustellen. Trainingspläne existieren nicht, drei bis vier Mal die Woche zieht er die Turnschuhe an und läuft nach Lust und Laune zwischen fünf und 30 Kilometer.
Marathon-Wettkämpfe nimmt der Forchheimer gerne auch mal als Urlaubseinlage mit. Zum Beispiel den Zermatt-Marathon in diesem Jahr. Knapp 2000 Höhenmeter hat Schmidtkonz da überwunden, und weil es ihm nach dem Zieleinlauf noch so gut ging, ist er gleich noch auf den Gipfel gestiegen. «Das war ein wahnsinniges Panorama.»
Vor zehn Jahren wäre der inzwischen selbstständige Online-Journalist wohl keinen Kilometer weit gekommen. Ein Laufmuffel sei er da gewesen. Doch dann bat ihn sein Schwager Ulrich Strunz, den Online-Auftritt der Firma zu überarbeiten und lud ihn zu einem seiner «Forever young»-Fitness-Seminare ein. Mit auf dem Programm stand: eine Stunde laufen. «Weil ich mich nicht ganz und gar blamieren wollte, habe ich vorher ein wenig trainiert.» Und er beherzigte den Ratschlag des Schwagers, zu laufen wie man Zähne putzt - regelmäßig jeden Tag.
Ein Jahr später, das war 1999, wagte er sich an den ersten Marathon seines Lebens und lief mit 20 000 anderen Athleten den Berlin Marathon. Sehr leicht hätte es da passieren können, dass Schmidtkonz ein klassischer Fehler unterläuft. «Wer die ersten sechs Kilometer zu schnell angeht, der hat hintenraus die größten Probleme.» Ein Minute zu schnell kostet am Schluss zehn Minuten heißt die Faustregel. Schmidtkonz hatte Glück, und traf in der Hauptstadt auf Erwin Bittel. Der Neuendettelsauer, der auch heuer wieder beim Fränkische-Schweiz-Marathon als Zugläufer mit von der Partie ist (3:30 Stunden), bot an, den Neuling zu «bremsen» und zu «ziehen».
Schmidtkonz hat die Zeit inzwischen im Griff, versklaven will er sich nicht von ihr lassen. «Ich werde auf die Leute eingehen, die mit mir laufen.» Zug- und Bremsläufer zu sein heißt auch, motivieren, wenn die Beine schwer werden wie Blei. Ein paar Energie-Gels hat er dabei, falls jemand unterzuckert ist, Magnesiumbrausetabletten gegen Wadenkrämpfe. «Ich achte auch darauf, dass sich niemand übernimmt.» Notfalls werden es dann 4:40 oder 4:45 Stunden sein, bis die Ziellinie hinter Thomas Schmidtkonz liegt. Dann wird die Nuss beim nächsten Mal geknackt.
Beke Maisch |