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Das Rückersdorfer Katzenhaus

Ein Zuhause für wilde Samtpfoten

 Ein Zuhause für wilde Samtpfoten
Foto: Siebert
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RÜCKERSDORF - Zig Augenpaare schauen erschrocken auf, sobald ein Fremder das Haus betritt. Die meisten Heimbewohner sind zurückhaltender Natur. Man darf ihnen nicht zu nahe kommen, sonst treten sie sofort den Rückzug an. Aber einige begrüßen Neuankömmlinge erfreut und suchen sogar Körperkontakt.

63 Katzen leben derzeit im Haus der Vereinigung für Katzenschutz Nürnberg-Fürth e.V. in Rückersdorf (Kreis Nürnberger Land). Viele von ihnen werden das Grundstück nie wieder verlassen. Sie sind unvermittelbar: Zu scheu, zu krank oder zu unsauber, um einen Menschen zu finden, der sich ihrer annimmt. In einem öffentlichen Tierheim werden solche Katzen gar nicht erst angenommen - oder eingeschläfert. Ein Verfahren aus der Not heraus, sind Tierheime doch sowieso notorisch überfüllt. Da kann man sich keine «Ladenhüter« leisten.

Bei der Vereinsvorsitzenden Ira Hettmannsperger und ihrem Team findet jede Samtpfote ein Zuhause - ob sie wie Rudi Herzprobleme hat und täglich Medikamente nehmen muss, wie Petrus unter chronischem Schnupfen leidet oder wie Bobbel und Heinerle hin pinkelt, wo sie geht und steht. Die meisten Katzen im Haus sind jedoch einfach nur scheu.

Dass sie es so gut haben, verdanken sie zum einen Guido Böckler, der den Verein 1954 gründete, vor allem aber der alten Dame, die 1971 ihr Haus vererbte und es den Samtpfoten zur Verfügung stellte. Sieben Zimmer und ein großer, umzäunter Garten: Die Vierbeiner haben viel Platz und können sich bei Auseinandersetzungen auch aus dem Weg gehen.

Doch auch, wenn manche Tiere sich weniger gut verstehen: Meist bleibt es beim harmlosen Fauchen. Auf der anderen Seite haben einige Katzen enge Freundschaften geschlossen. Bobbel und Heinerle etwa, die beiden Pinkler. Vielleicht ist es die Gemeinsamkeit, die sie zusammenhält. Jedenfalls sieht man sie häufig zu zweit kuschelnd im Körbchen liegen.

Timmy bleibt lieber für sich. Der zehnjährige Kater ist Ira Hettmannspergers Sorgenkind: «Er bräuchte ganz dringend ein liebevolles Zuhause und jemanden, der viel Zeit für ihn hat.« Der schwarze Vierbeiner ist lieb und verschmust. Doch seit er im Katzenhaus lebt, hat er körperlich abgebaut. «Timmy fühlt sich hier einfach nicht wohl.« Die Vereinsvorsitzende hofft, dass er bald vermittelt werden kann.

Wenn andere Katzen Timmy zu nahe kommen, stößt er ein markerschütterndes Fauchen aus: «Wenn ich eine Perücke aufhätte, würde mir die vom Kopf fliegen«, sagt Ira Hettmannsperger. Nur einer darf ihm nahekommen: Willi. Der zweijährige Stubentiger ist im Katzenhaus «Everybody’s darling« und kommt mit allen zurecht.

Liebevoll kümmert sich Ira Hettmannsperger um ihre Schützlinge: «Sie wachsen mir alle ans Herz. Wenn eine stirbt, nimmt uns das jedes Mal mit. Und wenn eine vermittelt wird, die man besonders liebgewonnen hat, zwickt das auch manchmal«, gibt sie zu.

Doch die Tierliebe ist teuer: Nur durch Spenden und Mitgliedschaften kann sich der Verein über Wasser halten. Öffentliche Zuschüsse gibt es nicht. Vor Ort oder im Internet kann man Patenschaften für einzelne Tiere übernehmen. Doch das Team freut sich nicht nur über finanzielle Unterstützung: «Uns ist jeder willkommen, der sich ein bisschen mit den Katzen beschäftigen will.« Ehrenamtliche Katzenstreichler sind mehr als willkommen. So soll auch scheuen Vierbeinern die Möglichkeit gegeben werden, sich an Menschen zu gewöhnen - und vielleicht irgendwann doch noch einen Zweibeiner zu finden, der sich in sie verliebt.

Vereinigung für Katzenschutz, Strengenbergstraße9, Rückersdorf, Besuchszeiten täglich 13-17 Uhr; 0911/578783, Spendenkonto-Nr. 1445028, Sparkasse Nürnberg, BLZ 76050101.

Stephanie Siebert
18.9.2008
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