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Das vielleicht markanteste Gebäude in Schwand, die Erbschänke «Zum Schwan», hat den Besitzer gewechselt. Die Familie Mehl (Roth) hat es an einen «Interessenverband zur Wahrung und Durchsetzung der Menschenrechte», der im Internet auch als «Zentralrat Souveräner Bürger»(ZSB) auftritt, verkauft. Für was die Gruppierung steht, ist nicht leicht zu durchschauen. Die Ziele klingen mal links, mal rechts, mal sektiererisch, mal esoterisch. Was sich auf der Homepage des Verbands mitunter etwas «verschwurbelt» liest, fasst Karl Meyer, einer der Sprecher des ZSB, mit einem Satz zusammen: «Uns geht es um die Einhaltung von Menschenrechten, Völkerrecht und Naturgesetzen.»
SCHWANSTETTEN (rg) - Der Verkauf der denkmalgeschützten Erbschänke ist derzeit das Thema an den Stammtischen in der Marktgemeinde. Fast ein Jahr lang war das in den 1980er-Jahren mustergültig restaurierte Gasthaus mit Hotelbetrieb leergestanden. Jetzt haben Karl Meyer, Claudia Aumüller-Karger und einige Mitstreiter zugeschlagen.
Entwarnung gegeben
Wer sich da in Schwands Zentrum eingenistet hat, weiß man allerdings auch im Rathaus nicht genau. «Wir rufen nicht Hurra», sagt Bürgermeister Robert Pfann (SPD). Doch zumindest in einem Punkt versucht der Rathauschef verunsicherte Bürger zu beruhigen. Die Verwaltung habe die in Frage kommenden Behörden (gemeint ist wohl der Verfassungsschutz, Anm. d. Red.) befragt. Die hätten Entwarnung gegeben. Für rechtliche Schritte gebe es deshalb keinen Anlass und auch keine Möglichkeit, sagt Pfann, der das Thema heute Abend in nichtöffentlicher Sitzung im Schwanstettener Gemeinderat diskutieren lassen will.
In die rechte Ecke gedrängt?
Dass die ZSB leicht in eine rechte Ecke gestellt werden könnte, ist Claudia Aumüller-Karger unangenehm. Aber das liegt daran, dass der Zentralrat die Bundesrepublik Deutschland als Staat nicht anerkennt («höchstens als GmbH oder Privatfirma»), dass Deutschland für ihn immer noch in den Grenzen von 1914 existiert, dass die Unterstützer ihre roten Reisepässe gegen blaue Weltpässe eintauschen und dass sie mit sensiblen Themen wie dem Holocaust arg schnoddrig umgehen: «Ich war nicht dabei, ich kann mir kein Urteil erlauben», sagt zum Beispiel Aumüller-Karger, Heilpraktikerin und Mutter von fünf Kindern.
Meyer und Aumüller-Karger stufen ihren «Interessenverband zur Wahrung und Durchsetzung der Menschenrechte» allerdings als «eher unpolitisch» ein. Man wolle vielmehr «weg von der Politik. Denn die Politik hindert den Menschen ein bisschen am Menschsein», so die neue Hausbesitzerin.
Auch ansonsten gibt es beim Interessenverband einige gewöhnungsbedürftige Thesen. Die EU wolle mit den nickel- und zinnhaltigen Euro-Münzen weite Teile der Bevölkerung unfruchtbar machen. Die Serienreife des Wasserstoffautos werde von der Politik blockiert aus Angst um die Mineralölsteuer. Das sind nur zwei der Verschwörungstheorien.
Viele Schwanstettener haben jedenfalls ein ungutes Gefühl. Woher nehmen ein Kfz-Meister wie Karl Meyer und eine Heilpraktikerin wie Claudia Aumüller-Karger das viele Geld, um ein so großes Anwesen zu erwerben? Angeboten war das Haus für mehr als 600 000 Euro. Da müsse doch eine große Organisation dahinter stehen, vermuten sie.
«Das Haus will es so»
Die ZSB-Sprecher dementieren dies. Sie seien eher durch Zufall an das Objekt gekommen. Und wollen auch künftig zumindest den Saal weiterhin für die Bürger öffnen. «Das Haus will es so», sagt Karl Meyer. «Ich weiß nicht, ob Sie das verstehen, aber es ist so.»
Meyer und Aumüller-Karger wollen in der Erbschänke jetzt eine Initiative zur «Förderung der Gemeinschaft» starten. Es soll Vorträge über neue Technologien, über die Steigerung von Energie-Effizienz, Naturheilkunde und soziale Themen geben. Überhaupt sind die Naturgesetze beim ZSB derzeit das beherrschende Thema: «Als Heilpraktikerin arbeite ich von jeher energetisch», sagt Aumüller-Kager.
Natürlich wird auch die Verbandsversammlung des ZSB künftig regelmäßig in der Erbschänke tagen. Wie viele Leute denn dazu kommen? «Etwa zehn sind wir immer», sagt Claudia Aumüller-Karger.
Was in der Erbschänke künftig alles passiert, ist die eine Sorge bei Bürgermeister Robert Pfann. Doch der Rathauschef bangt auch um das Baudenkmal selbst. «Ich weiß nicht, ob es die neuen Eigentümer schaffen, ein so Ortsbild prägendes Gebäude auf Dauer zu unterhalten.» |