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Am Fuße der Bahre

Lustig-nachdenklicher Kabarettabend im Sarglager
 Am Fuße der Bahre
Die Evangelische Stadtakademie will das Thema Tod vom Tabu befreien und hat eine Veranstaltungsreihe dazu konzipiert. Darin geht es u.a. um «Eine schöne Leich» (mit Einblicken in die Geschichte der Bestattungsriten, 7.11.), um ungewöhnliche Bestattungsarten (10.11.) oder Kinder, die bei der Geburt sterben (17.11., jeweils 19 Uhr). Auch Kabarett im Sarglager der Firma Speyrer war im Angebot: «Das Lächeln am Fuße der Bahre».

Überall stapeln sich Särge. Die aufgestellten Stühle sind schon alle besetzt. Nun gut - dann setzen wir uns eben auf einen Sarg. Der Halloween-Kult hat sich mittlerweile auch in Deutschland fest etabliert. Warum nicht statt Gruselparty mal schwarzhumoriges Kabarett in einem Sarglager genießen? Die Evangelische Stadtakademie hatte als Veranstalter im Rahmen der Reihe «Der Tod - dem Leben so nah!» aber mehr im Sinn als nur makabre Unterhaltung.

Der Tod ist die einzige Gewissheit im Leben und wird doch stets verdrängt. Er ist vielleicht das letzte große Tabu in der westlichen Gesellschaft. Der Abend von Kabarettist Alfred Gerhard alias Globo soll ein wenig die Angst vor der Beschäftigung mit dem Thema nehmen. Gerhard trägt beispielsweise komische Vorschriften aus Friedhofssatzungen vor. Man wundert sich doch, mit welch bürokratischer Pedanterie die Totenruhe organisiert ist: Pflanzen dürfen nicht über 1,50 Meter wachsen, Leichen sind umweltfreundlich zu kleiden. Nicht minder zum Schmunzeln sind Gerichtsentscheidungen zum Thema: So bestehe etwa kein Anspruch auf Witwenrente, wenn die Ehefrau den Mann erschießt. Auch Todesanzeigen haben manchmal ihre unfreiwillige Komik. «O Herr, wenn ich bei dir bin, hat die Finsternis ein Ende» ist etwa anlässlich des Ablebens eines Herrn Dunkel zu lesen.

Gerhard erzählt auch von Beerdigungen in anderen Kulturen: «In Mexiko wird auf den Gräbern regelrecht getanzt.» Und er fragt, ob der Tod ein Anlass zum Trauern sein muss. Manchmal ist der Tod Erlösung. Doch Trauer ist in unserer Kultur üblich. Der schwierige Umgang mit Trauernden habe oft fatale Konsequenzen: Manchmal werden sie aus Hilflosigkeit gemieden.

Zum Abschluss weist der Kabarettist auf eine Selbstverständlichkeit hin: «Auch ungelebtes Leben vergeht.» Deshalb sein Rat: «Nehmen Sie sich das Leben!» - natürlich in einem ganz anderen Sinne, als diese Aufforderung wohl üblicherweise verstanden wird. kaho

Infotelefon: 09 11/ 2 14 21 21.
3.11.2008
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