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NÜRNBERG - Im Laufer «Ehrenmordprozess« hat der 34-jährige Angeklagte Nedjat K. die tödlichen Schüsse gestanden. Nun geht es vor allem um das Motiv - und die Moral.
Warum musste Georgius K., der Wirt (36) des Schnaittacher Gasthauses «Zum Wasserbeck« sterben? Feuerte Nedjat K. die tödlichen Schüsse auf den griechischen Wirt ab, weil der nicht von Jasmin, der Schwester (34) des Angeklagten lassen wollte? Die Staatsanwaltschaft glaubt an einen «Ehrenmord« - eine Bluttat, die sich nur mit den Moralvorstellungen des Angeklagten würde erklären lassen.
Doch dessen Version klingt ganz anders. Er behauptet, die Affäre sei nicht freiwillig gewesen: Georgius K. habe Jasmin zur Romanze gezwungen - das war nicht schwer, schließlich bediente sie im «Wasserbeck«.
Nun darf spekuliert werden: Wollte Nedjat K. den Mann töten, der seine Schwester tyrannisierte? Will er dem Schwurgericht ein plausibleres Motiv auftischen als ausgerechnet einen «Ehrenmord«? Oder hatte gar Jasmin, selbst verheiratet und Mutter, die Drohkulisse nur erfunden, um so ihre Ehre zu schützen und die Affäre mit dem Wirt im Geheimen fortzusetzen? Die Schwurgerichtskammer hört Zeuge um Zeuge, um den Dingen auf den Grund zu gehen, und raus kommt: Die Ehefrau des getöteten Wirts wusste von dem Verhältnis; Georgius K. trat mit seiner Geliebten Jasmin öffentlich als glückliches Paar auf, gemeinsam besuchten sie oft eine Kneipe in Neustadt an der Aisch. Noch heute erinnert sich die Wirtin, dass die beiden selbst beim Essen kaum die Finger voneinander lassen konnten. Sieht so eine erzwungene Romanze aus?
Nur Jasmin selbst stützt die Sichtweise des Angeklagten. Noch während in dem Fall ermittelt wurde, hatte sie bei der Polizei behauptet: Der Mann hat mich gezwungen. Eine Aussage, die als wenig glaubwürdig gilt. Als sie im Gericht erscheint, kommt es zu Tumulten - die Witwe des getöteten Georgius schreit vor dem Sitzungssaal, bricht heulend zusammen.
Bei der Vernehmung der Geliebten wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dann verlässt Jasmin den Saal in Handschellen - wegen des Verdachts der Falschaussage lässt der Staatsanwalt die Handschellen klicken. Will sie dem Bruder helfen, weil sie glaubt, dass sie ihm die Suppe einbrockte? Fortsetzung folgt.
Ulrike Löw |