Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell Weitere Zahlenspiele
   
 

Weitere Zahlenspiele

Der ersten U-Bahn-Studie folgen noch zwei Analysen
 Weitere Zahlenspiele
Foto: Will Bauer
Bitte Bild anklicken!
FÜRTH Land - Die Verlängerung der U 3 in den Landkreis nach Zirndorf und Oberasbach rechnet sich. Dies besagt eine vor vier Jahren vom Kreis angestoßene Kosten-Nutzen-Untersuchung. Eigentlich hätte die Studie längst vorliegen sollen. Nach etlichen zeitlichen Verzögerungen wurden jetzt im Kreistag Zwischenergebnisse präsentiert.

Ob die U-Bahn-Züge allerdings jemals rollen werden, ist damit noch nicht gesichert. Entscheidend wird sein, welche jährlichen Unterhaltskosten auf den Landkreis und die beiden Städte zukommen. Matthias Dießl ist dennoch erfreut: Die Resultate zeigten, das Vorhaben sei grundsätzlich sinnvoll und förderfähig, sagt der Landrat, - aber: Ein wichtiger Punkt seien die Folgekosten. Man müsse wissen, «was da auf uns zukommt». Klären soll das bis Februar 2009 eine so genannte Folgekostenrechnung.

Geprüft wurden zwei Alternativen: Variante 1 sieht die unterirdische Anbindung der Stadt Oberasbach vor. Die Züge fahren unter der Rothenburger bis auf die Höhe der Jet-Tankstelle. Bei Variante zwei, die bis zur Zirndorfer Straße führt, erfolgt die Anbindung oberirdisch auf der Trasse der alten Bibertbahn. Am Knotenpunkt mit dem Zirndorfer Ast, der vor der ersten Wohnbebauung in Oberasbach abzweigt, liegt bei dieser Alternative die zusätzliche Station Altenberg. Für beide Vorhaben ist in der Haupt- und in der Normal-Verkehrszeit ein Zehn-Minuten-Takt vorgesehen, in der Abendzeit nach 20 Uhr ein 20-Minuten-Takt.

Die Untersuchung hat für beide Konzeptionen einen so genannten Kosten-Nutzen-Indikator ermittelt. Für die Variante 1 liegt dieser Wert bei 1,2, für die Variante 2 bei 1,15. Der «Nachweis eines gesamtwirtschaftlichen Nutzens» sei damit erbracht. Eingerechnet sind alle Kosten für den Bau und den Betrieb, beispielsweise wie viele Zuggarnituren benötigt werden. Berücksichtigt werden aber Einsparungen, etwa wie viele Bus-Linien einzusparen sind. Die dabei angesetzten Zahlen sind allerdings nach Auskunft von Beate Meyer-Führer «pauschalisierte Werte», die, so die Sachgebietsleiterin Öffentlicher Personen Nahverkehr (ÖPNV) im Landratsamt, «mit Vorsicht zu genießen sind». Konkretere Angaben, beispielsweise zu den Gesamtkosten oder zu den Fahrgastzahlen, will das Landratsamt derzeit nicht publik machen.

Fest steht, dass die oberirdische Variante mit Investitionskosten von unter 50 Millionen Euro günstiger käme als die unterirdische. Die Studie geht jedoch davon aus, dass der gesamtwirtschaftliche Kosten-Nutzen-Indikator im Falle der Lösung auf der Bibert-Bahn-Trasse niedriger einzustufen sei. Der Grund: «Die fernere Lage der Bahnhöfe zu den Siedlungsschwerpunkten und die Reisezeitverlängerung durch den zusätzlichen Halt Altenberg» führe «zu einem spürbar geringeren» Effekt.

Von einer «erfreulichen Geschichte» spricht Thomas Zwingel angesichts der Tatsache, dass sich beide Varianten rechnen. Klar ist für den Zirndorfer Bürgermeister aber eines: «Ganz entscheidend ist, wie sich die Betriebskosten darstellen.» Die Investitionskosten werden immerhin mit rund 80 Prozent bezuschusst. Für Zwingel zwar «ein Brocken», aber «stemmbar». Die jährlichen Unterhaltskosten, die beide Städte und der Landkreis zu schultern hätten, seien dagegen noch nicht absehbar. So argumentiert auch seine Oberasbacher Kollegin: «Ich würde die U-Bahn begrüßen», sagt Birgit Huber, «aber man muss gut überlegen, ob man sich das leisten kann.»

Wird die U-Bahn kommen, dann entweder nach Oberasbach und Zirndorf oder nach Stein. Dahingehend hatte sich der VAG–Vorstandsvorsitzende Herbert Dombrowsky in der Vergangenheit geäußert: Man werde sich nur eine der beiden Linien leisten können. Dass es im Zuge einer näher rückenden Entscheidung zum offenen Konflikt zwischen den großen Städten im Landkreis kommen könnte, mag Thomas Zwingel nicht glauben. Man werde das Gespräch suchen, sagt er und unterstreicht aber, dass in der Variante über Oberasbach und Zirndorf eben zwei große Kommunen und der Kreis in einem Boot säßen. Mit Blick auf die Kosten besäße diese Lösung deshalb vielleicht mehr Chancen als die Variante mit Stein allein.

Kurt Krömer bleibt angesichts solcher Überlegungen gelassen. Aus einem Gespräch - unter anderem mit Dießl, Dombrowsky und Nürnbergs Oberbürgermeister Maly - hat der Steiner Rathauschef die Zusage des Landrates mitgenommen, dass es im Falle eines positiven Ergebnisses der Kosten-Nutzen-Untersuchung der U 3 eine solche Expertise auch für die U 2 geben wird. Zahlen liegen zwar vor, doch die stammen von 1997: Die Kosten für den Bau der U-Bahn-Verlängerung von Röthenbach nach Deutenbach waren damals auf 160 Millionen Euro geschätzt, der jährliche Unterhalt auf rund 1,5 Millionen Euro taxiert worden. Größen, die heute nicht mehr haltbar sind, aber zu denken geben. Wendet doch der Landkreis derzeit in Sachen ÖPNV insgesamt rund drei Millionen Euro auf.

Hoffnungen machen Krömer drei Aspekte. In eine neue Kalkulation würde die fahrerlose U-Bahn einfließen, wovon Einspareffekte zu erwarten seien. Die U 2 werde zudem von der Stadt Nürnberg favorisiert. Und die baulichen Voraussetzungen seien weit gediehen. Der Röthenbacher Tunnel reicht bereits bis kurz vor die Steiner Stadtgrenze. Nicht nur beim Bau, sondern auch beim Unterhalt möchte der Bürgermeister zudem den Freistaat in die Pflicht nehmen. Sein Blick gilt dem Münchner Umland. Hier rollen S-Bahnen und die sind Landessache. Trotzdem, sagt Krömer sei es nicht akzeptabel, diesen Speckgürtel zu fördern und hier den Ballungsraum alleine zu lassen: «Es geht um Gleichbehandlung.»

Harald Ehm
12.12.2008
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NORDBAYERN.DE