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FÜRTH Land - In ihrer Kritik an der Verlängerung der U-Bahn in den Landkreis bestätigt sehen sich sowohl die Interessengemeinschaft Bibertbahn (IGBB) als auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD), nachdem erste Zahlen der Kosten-Nutzen-Analyse publik geworden sind. Das Gutachten werfe mehr Fragen als Antworten auf, so IGGB-Sprecher Jörg Schäfer. Eines werde jedoch deutlich: «Massive Auswirkungen» seien beispielsweise für die Rangaubahn zu befürchten. So geht die Analyse nach Informationen der IGGB davon aus, dass die Rangaubahn nach Eröffnung der U3 ein Drittel ihrer Fahrgäste verlieren wird.
Haltepunkte erneuert
Auf der Strecke zwischen Fürth und Cadolzburg hat die Deutsche Bundesbahn erst in diesem Jahr einiges investiert. So wurden mit Ausnahme der Station Zirndorf-Alte Veste alle Bahnhaltepunkte erneuert, zusätzliche Fahrten in den Abendstunden aufgenommen, die Taktzeiten speziell an den Wochenenden verdichtet und mit Einführung des Winterfahrplans auch neue Triebwagen eingesetzt.
Doch Antworten auf die Frage nach den Konsequenzen bleibe das Gutachten schuldig. «Wer ersetzt der Bahn AG die Ausfälle bei den Ticket-Verkäufen?», fragt Schäfer. «Oder wird das Fahrplanangebot zwischen Fürth und Cadolzburg dann etwa ausgedünnt?»
Ohnehin stuft die IGBB die ermittelten Kosten-Nutzen-Faktoren von 1,2 für die U3-Variante auf der Trasse der ehemaligen Bibertbahn und 1,15 für die unterirdische Variante als «nicht berauschend» ein. In Deutschland – die Umlandbahn zwischen Ludwigsburg und Markgröning (6,0) –, aber auch in Bayern – die Zulaufbahn von Ulm beziehungsweise München Richtung Lindau (2,4) – gebe es Projekte mit höheren Kosten-Nutzen-Faktoren, die vermutlich eher mit Zuschüssen rechnen könnten.
Kritisch sieht die IGBB zwei weitere Aspekte des Gutachtens, das von einer Besiedlung zweier großer Neubaugebiete in Nürnberg (Tiefes Feld) und Zirndorf (Altfeld) ausgeht, für die aber noch kein Baurecht bestehe. «Ohne diese Neubaugebiete erreicht die U 3 keinen Kosten-Nutzen-Faktor über 1,0», behauptet Schäfer. Damit wäre das Projekt dann auch nicht förderfähig.
Zudem ist da noch das Problem der Betriebskosten, die nun in einer weiteren Analyse untersucht werden sollen. Verlässliche Quellen, so Schäfer, sprächen von einer jährlichen Summe von über einer Million Euro, die der Landkreis sowie die beiden Städte Oberasbach und Zirndorf zu schultern hätten. Auch angesichts dieses Punktes führt nach Ansicht der IGBB an der kostengünstigeren und schneller zu realisierenden Alternative Regionalbahn auf der Trasse der Bibertbahn kein Weg vorbei.
«Abschied von Luftschlössern»
«Zeit zum Abschied von Luftschlössern» - das ist es, was dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) Kreisverband Großraum Nürnberg zum Thema U-Bahn-Verlängerung in den Landkreis Fürth einfällt. Die Abkehr von der Planung sei überfällig, meint Bernd Baudler, Vorsitzender des VCD Nürnberg. Die heutigen Herausforderungen im Verkehr wie im Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz ließen sich durch singuläre Projekte nicht lösen. Der bloße Ruf nach «mehr Geld aus München» sei für hiesige Politiker bequem, aber meist folgenlos. Womit soll der Landkreis Fürth seinen ÖPNV-Haushalt verdoppeln, um den Betrieb einer U-Bahn zu finanzieren, fragt Baudler. Wer heute für die U 3 sei, sage damit, dass sich während der kommenden 20 Jahre nichts für den Nahverkehr in den Landkreis Fürth ändern werde.
Harald Ehm |