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LOKALMELDUNGEN - NÜRNBERG  

Probleme der Grundschulen im Südwesten

Amtschef Schreiner zeigt sich tief besorgt
 Probleme der Grundschulen im Südwesten
Foto: mik
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NÜRNBERG - Manfred Schreiner, Leiter des Amtes für Volks- und Förderschulen, schlägt Alarm. Wenn sich an der Situation der Grundschulen im Südwesten der Stadt, der von vergleichsweise großer Armut gekennzeichnet ist, nichts ändert, drohe die Benachteiligung ganzer Schülergenerationen mit all den sozialen Folgen, die damit verbunden sind.

Es gibt fast kein Kind mehr, bei dem Mediziner zum Schuleintritt keinen Mangel mehr feststellen, sagte Schreiner im Gespräch mit der Lokalredaktion. Seh-, Hör- und Bewegungsstörungen, große Schwächen in der Motorik und Übergewicht seien an der Tagesordnung.

«enorme Bildungsferne»

Viele Kinder können beispielsweise nicht Fahrradfahren. «Aber ein Gleichgewichtssinn ist wesentlich für den Schrifterwerb.» Selbst Viertklässler würden beim Schulausflug zum ersten Mal in ihrem Leben einen Wald betreten oder auf einer Schaukel sitzen.

Verschärft werde die Lage durch eine «enorme Bildungsferne" der Eltern. «Schule ist bei ihnen oft kein Thema, war es nie,» betonte Schreiner, «es gibt keinerlei Lernanregung, Mitteilungen der Schule werden nicht gelesen, Zeugnisse nicht zur Kenntnis genommen.» Die Erwachsenen in solchen Familien seien nur mit sich beschäftigt, «viele Kinder sind völlig sich selbst überlassen».

Obwohl der Anteil von Migranten in der Bevölkerung im Südwesten sehr hoch ist - an manchen Grundschulen lebt die große Mehrheit der Kinder in Migrantenfamilien - betont der Amtschef, dass es sich in erster Linie um ein soziales Problem handelt, das Inländer in ähnlicher Lage ebenso trifft.

Schwerwiegende Folgen

Viele aus dem Ausland stammenden Familien haben damit aber traditionell häufiger zu kämpfen. «Die erste Generation der früheren Gastarbeiter kam aus der sozialen Unterschicht ihrer Heimatländer nach Deutschland.» Hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Übertrittsquoten an weiterführende Schulen, vergebliche Suche nach Ausbildungsplätzen sind heute Folgen dieser Entwicklung.

Für Manfred Schreiner sind die Eltern der Schlüssel zur Lösung des Problems: «Solange wir die nicht erreichen, bauen wir pädagogisch auf Sand.» Er fordert vom Staat dringend den Ausbau von Ganztagsschulen und der sozialpädagogischen Betreuung.

Die betroffenen Schulen selbst ergreifen vielfach die Eigeninitiative, um die Kinder nach Kräften zu unterstützen. «Vorbildlich und großartig» nannte Schreiner dabei die Georg-Paul-Amberger-Schule in Schweinau. Dort haben drei Viertel der Kinder einen Migrationshintergrund. Es ist die einzige Grundschule, die mit Unterstützung der Stadt zwei so genannte Werkstätten aufgebaut hat. In einer wird die Motorik der Kinder geschult, in der anderen Mathematik gefördert. Schulleiter Werner Bartel hält ein verpflichtendes Vorschuljahr für dringend erforderlich.

Michael Kasperowitsch
24.1.2009
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