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Kommentar: Schiedsrichter in den Schlagzeilen

Pfeifenmännern fehlt oft die Einsicht

 Pfeifenmännern fehlt oft die Einsicht
«Schwarzkittel« nannte man sie einst im Zorn, wenn ihre Leistungen völlig unzureichend waren. Heute hat diese Formulierung freilich keine Daseinsberechtigung mehr, denn die Herren Fußball-Schiedsrichter tragen Kluft in modischen Farben. Werden sie als «Pfeifen« tituliert, die Pfeifenmänner, ist dies noch milde Kritik. In diesen Tagen aber müssen sie sich ganz andere Beschimpfungen gefallen lassen, weil ihre Leistungen in den beiden höchsten deutschen Profiligen geradezu niederschmetternd sind.

Die Fehlerquoten haben sich in einem Maße gehäuft, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Wenn selbst der Schiedsrichter-Sprecher des DFB, Manfred Amerell, die Robe des Anwalts ablegt und mit kritischen Äußerungen nicht spart, wird das Dilemma deutlich dokumentiert.

Gerade an den beiden letzten Spieltagen produzierten die Unparteiischen Fehler am Fließband. Sie leisteten sich gravierende und mehrfach auch spielentscheidende Schnitzer, die partout nicht zu begreifen sind und bei Spielern und Verantwortlichen der Bundesliga-Klubs durchaus verständliche Zornausbrüche auslösten. Und bei den «Sündern«, dies verblüfft, handelt es sich keineswegs um Neulinge, sondern um erfahrene und auch namhafte Vertreter ihrer Zunft. Die Noten, die vom seriösen «kicker« nach dem Spieltag des Oberhauses vom Wochenende verteilt wurden, sind vernichtend, aber ohne Wenn und Aber angebracht: Knut Kircher bekam eine 6, Babak Rafati und Florian Meyer jeweils die 5 und Marc Seemann sowie Lutz Wagner eine 4,5.

Es erübrigt sich, auf die einzelnen Fehlentscheidungen einzugehen, aber es steht unwiderruflich fest, dass diese im einen oder anderen Falle den Ausgang einer Partie maßgeblich beeinflusst haben. Eine schlimme Situation, wenn die Pfeifenmänner für dicke Schlagzeilen sorgen. Und dabei war ihnen schon bei ihrem Anfangslehrgang eingetrichtert worden, dass beim Leiten eines Spiels die Unauffälligkeit ihre Stärke sei.

Aber leider sehen sich inzwischen manche als Hauptdarsteller. Der eine oder andere überspielt seine Schwächen durch markiges Auftreten und übertriebene Gesten. Besonders enttäuschend ist aber oft das Verhalten nach den 90 Minuten: Selten bekennt sich ein Schiedsrichter zu seinen Fehlern, auch wenn ihn die unbestechliche Fernsehkamera überführt.

Das krampfhafte Suchen nach Alibis ist geradezu lächerlich. Als Knut Kircher – er hatte bei der Leitung der Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und Hertha BSC Berlin einige Aussetzer – eine Woche zuvor einen gravierenden Fehler via Bildschirm vorgeführt bekam, äußerte er dazu: «Wenn ich die Bilder jetzt sehe, kann ich nicht sagen, dass nichts gewesen ist.« Warum hat der auf der Fifa-Liste stehende Schiri nicht die Flucht nach vorne angetreten und sich zu seiner Schwäche bekannt? Wer Fehler begeht und dazu auch steht, ist trotz allen Ärgers eher Gewinner denn Verlierer. Deshalb sind die Bosse der Schiedsrichter gut beraten, ihren Kameraden mehr Offenheit zu empfehlen.

Eines haben die letzten Jahre gelehrt: All jene Experten, die sich von der Einführung des Profi-Schiedsrichters eine wesentliche Steigerung des Leistungsvermögens versprochen haben, lagen daneben. Die Pfeifenmänner werden heute im Gegensatz zu früher geradezu fürstlich entlohnt, aber das Niveau ist auf gar keinen Fall angehoben worden. Es wird allerhöchste Zeit, dass sich die Schiris in ein stilles Kämmerlein zurückziehen und sich kräftig vor die eigene Brust klopfen. Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung.



Dieter Bracke
24.2.2009
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