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NN-Telefonaktion: Auch Männer erleiden Gewalt

«Sie haben Angst« : Gedemütigt und geschlagen
 NN-Telefonaktion: Auch Männer erleiden Gewalt
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Foto: Stefan Hippel
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NÜRNBERG - Ein Tabu kommt zur Sprache: Bei der NN-Telefonaktion zum Thema häusliche Gewalt und Stalking standen überraschenderweise Männer im Mittelpunkt, die in ihren Beziehungen gedemütigt und geschlagen werden.

Wenn es um Gewalt in Beziehungen geht, ums Ausnutzen wirtschaftlicher Abhängigkeiten, um Drohungen oder Stalking, dann ist die Rollenzuschreibung klar: Die Frau ist das Opfer, der Mann der Täter. Und in den allermeisten Fällen trifft das auch zu.

Von Partnerinnen gedemütigt

Aber es gibt eben auch die anderen; die Fälle, in denen Männer von ihren Partnerinnen gedemütigt und drangsaliert werden. Wie groß der Kreis der Betroffenen ist, ist unklar. Schätzungen zufolge sollen kaum vorstellbare 13 Prozent aller Männer von häuslicher Gewalt betroffen sein, sagt Ralf Bohnert, Leiter des Krisendienstes Mittelfranken. Andere Schätzungen gehen von fünf bis zehn Prozent aus.

Das Ausmaß ist auch deshalb so schwer auszumachen, weil viele Männer sich nicht trauen, Hilfe zu holen. «Sie haben große Angst, sich an die Polizei zu wenden. Sie haben Angst, nicht ernst genommen zu werden«, sagt Bohnert. Wer einmal einem Beamten gegenüber saß, der sich das Grinsen verkneifen musste, schaltet schnell wieder auf Schweigen um.

Väter der Männer riefen an

Bezeichnenderweise waren es dann auch nicht die Opfer selbst, die sich bei der Telefonaktion meldeten. Stattdessen riefen Väter von Männern an, die Gewalt in ihren Beziehungen erleben.

In einem Fall gewährt die Frau ihrem Lebensgefährten nur ein Taschengeld und übt auch sonst Kontrolle aus. Sie telefoniert ihrem Mann am Arbeitsplatz hinterher oder überprüft, ob er tatsächlich bei Freunden ist. Mit den Nachbarn darf er überhaupt nicht sprechen.

Mit Messer gegen Lebensgefährten

In einem anderen Fall, der am Telefon zur Sprache kam, geht die Schilderung über die psychische Gewalt hinaus. Der Vater des Opfer berichtete, dass sein Sohn von seiner Freundin körperlich angegriffen werde. Der tragische Höhepunkt: Die Frau ging mit dem Messer auf ihren Lebensgefährten los.

Bohnert legte den Vätern ans Herz, dass sie ihre Söhne ermutigen sollten, sich bei Beratungsstellen Hilfe zu holen. Der Krisendienst, der männliche Gewaltopfer betreut, ist unter (0911) 4248550 erreichbar.

Frauen finden Hilfe bei der Beratungsstelle des Frauenhauses: (0911) 3788878; beim Frauennotruf: (0911) 284400; Migrantinnen können sich an die Awo (0911)27411027) oder an Kofiza (0911) 58686920) wenden.

Sabine Stoll
19.3.2009
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