Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell Vom RCH-Schüler zum Weltklasse-Profi
   
SPORT - SCHWABACH UND UMLAND  

Vom RCH-Schüler zum Weltklasse-Profi

Heinrich Haulller zählt heute bei «Mailand – San Remo« zu den Top-Favoriten
 Vom RCH-Schüler zum Weltklasse-Profi
Bitte Bild anklicken!
Bitte Bild anklicken!
Die internationale Radsport-Saison beginnt zwar bereits im Februar, doch der erste große Höhepunkt ist alljährlich der berühmte italienische Frühjahrs-Klassiker «Mailand – San Remo« bei dem heute der Startschuss fällt.

HERPERSDORF - Für jeden Radsportler ist es ein großer Traum, einmal bei diesem schweren Rennen «Mailand – San Remo« über fast 300 Kilometer dabei zu sein. Mit dabei - und dies sogar als einer der Topfavoriten - ist der 25-jährige Jung-Profi Heinrich Haussler, der seit Januar für das neue Schweizer «Cervelo-Test-Team« startet. Für Frankens Radsportfans ist er kein Unbekannter, denn Heinrich, der 1984 in Australien als Sohn deutscher Auswanderer geboren wurde, bewies sein außergewöhnliches Radsporttalent bereits sehr eindrucksvoll, als er 1996 mit zwölf Jahren zahlreiche Siege für den RC Herpersdorf erkämpfte.

Nach den ersten Wochen der Saison 2009 sieht es ganz danach aus, als wollte Haussler, der inzwischen in Freiburg lebt, das Erbe von Sprint-Ass Erik Zabel antreten: Schon im Februar feierte er bei der Algarve-Rundfahrt in Portugal zwei sensationelle Etappensiege. Drei Wochen später sorgte er beim französischen Etappenrennen «Paris-Nizza« mit einem weiteren Tagessieg erneut für Schlagzeilen. «Ich bin selbst überrascht, wie toll für mich die neue Saison im neuen Team begann«, gesteht Haussler, dem es gar nicht so wohl ist bei dem Gedanken, dass er von den renommierten Sportzeitschriften L’Equipe und Gazetta dello Sport in Frankreich und Italien zum Kreis der Topfavoriten für «Mailand – San Remo« gezählt wurde. «Das ist ein wahnsinnig langes Rennen, bei dem die weltbesten Sprinter am Start sind, und in rund sieben Stunden kann sehr viel passieren«, wehrt Haussler bescheiden ab. Hinzu kommt, dass Hausslers Team in Mailand mit dem starken Norweger Thor Hushovd als Kapitän an den Start geht und Hushovd, der vor drei Wochen den belgischen Saisonauftakt «Omloop Het Nieuwsblad« gewann und 2005 bereits Dritter bei «Mailand – San Remo« war, ist ebenfalls in Topform.

«Mit Thor und Heinrich haben wir zwei echte Trümpfe«, freut sich Jens Zemke. Der einstige deutsche Bergmeister, der im Januar als Sportleiter von der Nürnberger Equipe zum neuen «Cervelo-Test-Team« wechselte, ist überzeugt, dass Heinrich Haussler in dieser Saison noch einen der großen Klassiker gewinnen kann: «Er hat sich in den letzten Wochen unglaublich gesteigert. Heinrich ist ein riesiges Talent.«

Ein Ausnahmetalent, das Oliver Muschweck vor rund 15 Jahren wohl als Erster erkannte. Der 44-jährige Kornburger, der einst selbst erfolgreich für den RC Herpersdorf und die RSG-Nürnberg fuhr, darf sich zu Recht als «Entdecker« von Heinrich Haussler bezeichnen, der durch ihn von Australien nach Europa kam. Weltenbummler Oliver Muschweck war 1994 in Sidney, als Heinrich mit zehn Jahren erste Meistertitel gewann. Muschweck unterhielt sich danach mit Heinrich und seinen Eltern, schwärmte von der damaligen Radsporthochburg RC Herpersdorf und lud die Familie Haussler spontan nach Franken ein.

Erste Erfolge

Die Hausslers folgten der Einladung gern, und nachdem Heinrich neben der australischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit hat, bekam er gleich bei seinem ersten Besuch eine Lizenz beim RC Herpersdorf verpasst. Als 11-Jähriger nahm er 1995 an zehn Schüler-Rennen teil, gewann sechs davon und wurde vier Mal Zweiter! Heinrich war danach so begeistert, dass er mit 14 Jahren erneut nach Deutschland kam. Sein Ziel war es nun, an der deutschen Straßenmeisterschaft der Jugend teilzunehmen, bei der er als Vierter nur ganz knapp das Podium verpasste. Nun war für ihn endgültig klar, dass er in Deutschland bleiben wird. Obwohl ihm ein Platz am Sportgymnasium in Kaiserslautern wegen damals noch mangelnder Deutschkenntnisse versagt blieb, resignierte er nicht.

Großzügiger war man beim Sportinternat in Cottbus, das Heinrich gerne aufnahm. Im Trikot des RSC Cottbus war er als Junior dann nicht mehr zu bremsen: Souverän holte er sich den deutschen Meistertitel im Straßenrennen, bei der Bahn-DM den Titel in der Einer-Verfolgung und im Bahnvierer über 3000 Meter! Ganz nebenbei gewann er trotz eines Sturzes Silber im Straßenvierer und wurde bei der Mountainbike-DM Dritter.

«Mein Ziel ist es, so bald wie möglich Profi zu werden«, sagte Heinrich Haussler damals sehr selbstbewusst, und dieses Ziel hat er unglaublich schnell erreicht: Mit 19 Jahren erhielt er 2004 als jüngster Fahrer seinen ersten Profi-Vertrag beim Team Gerolsteiner, für das er bis zu dessen Auflösung im Vorjahr erfolgreich fuhr. Trotz seines sensationellen Saisonstarts bleibt er jedoch auf dem Teppich. «,Um Mailand – San Remo‘ zu gewinnen, muss man neben sehr guter Form und einer starken Mannschaft auch das nötige Glück haben«, weiß der ehrgeizige Jungprofi, der eigentlich die belgischen Ardennen-Klassiker und das «Horror-Rennen« von Paris nach Robaix viel mehr liebt. Und die kommen alle noch in den nächsten Wochen.

Manfred Marr
21.3.2009
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NORDBAYERN.DE